Für sicheres Ankern ist die Vorbereitung unerlässlich: geeigneten Ankerplatz nach Position und Ankergrund wählen, Wetterlage und Wettervorhersage gründlich prüfen und die zu steckende Kettenlänge festlegen – im Allgemeinen die fünf- bis siebenfache Wassertiefe. Das Ankermanöver wird im Regelfall kontrolliert mit Maschinenunterstützung gefahren. Ankerball bzw. Ankerlicht sind bereitzuhalten und unmittelbar nach dem Manöver gut sichtbar auf dem Vorschiff zu setzen.
Vor Anker wird rund um die Uhr Wache gegangen – in der Regel je ein Stammcrewmitglied mit einem oder zwei Trainees in 2-Stunden-Abschnitten. Einteilung und Einweisung erfolgen vor Beginn des Ankerns; es gibt ein Ankerwachbuch mit Vordrucken. Aufgaben der Ankerwache:
- Schiffsposition regelmäßig kontrollieren (Kreuzpeilung, evtl. Radarpeilung, Vergleich mit der GPS-Position)
- Anker und sichtbaren Kettenverlauf kontrollieren – bei slippendem Anker vibriert die Kette spürbar
- Wetter (Windstärke, -richtung, Sichtigkeit), Schiffsverkehr und Ankersignale beobachten
- Feuerrunde gehen und die nachfolgende Wache wecken
Bei allen ungewöhnlichen Vorkommnissen muss die Schiffsführung hinzugezogen werden.
Anker auf geht unter Maschine oder unter Segeln. Ausreichend Besatzungsmitglieder zum Kurbeln an der Winde zum Setzen und Einholen des Ankers. Allgemeine Seemannssprache – nicht Teil des BESSY bereithalten; die Kurbeln müssen während des gesamten Kurbelvorgangs mit dem anhängenden Splint gesichert sein. Ein Besatzungsmitglied staut die Kette mit Arbeitshandschuhen im Kettenkasten – gleichmäßig in langen Bahnen, keine „Türmchen bauen". Ein erfahrenes Stammcrewmitglied beurteilt die gestaute Kette; ist sie nicht ordnungsgemäß gestaut, wird aufgestoppt, der Anker noch einmal fallen gelassen und neu gestaut. Zwei Personen stellen die lückenlose Kommunikation zwischen Vorschiff und Rudergänger sowie zwischen Ankerspill und Kettenkasten sicher.
Für Verlust oder Defekt des Hauptankers ( Die rechte Seite des Schiffes, in Fahrtrichtung gesehen. Allgemeine Seemannssprache – nicht Teil des BESSY) wird am Mast ein Ersatzanker vorgehalten, mit einem 10 m langen Vorläufer (16-mm-Rundstahlkette) im Kettenkasten; als Trosse dient ein Festmacher, zweckmäßigerweise die 40 m lange Manöverleine.