BESSY lernen · TS „Nobile"

Rettung aus dem Rigg

Quelle:

Betriebssicherheitshandbuch v4.3

Teil I Kap. 6.12

Seite 48–49

· ~5 min

Ziel des Kapitels ist es, Grundsätze und einen Vorschlag für einen Ablauf zur Rettung verunfallter bzw. kletterunfähiger Personen aus dem zu definieren. Gründe können Verletzungen, die das selbständige Klettern verhindern, Ohnmacht oder Blockierungen infolge von Panik sein. Die zu rettende Person wird als RP bezeichnet.

Die Anleitung ist als Lernhilfe und Gedankenstütze zu sehen und kann kein Training ersetzen. Bei unsachgemäßer Umsetzung kann es zu schweren Verletzungen für RP und Retter kommen. Ein Standardablauf ist wegen der Besonderheiten von Höhe, möglicher Mitarbeit und Möglichkeiten der Retter nicht zielführend — der beschriebene Ablauf muss den Umständen entsprechend modifiziert werden.

Wichtige Punkte:

  • Bei Verletzten muss schnell und koordiniert gearbeitet werden. Bewusstlose Menschen dürfen nicht längere Zeit im Gurt hängen. Erste Hilfe muss evtl. vor dem eigentlichen Retten geleistet werden.
  • Bei Panik und Blockierungen sollte man sich Zeit nehmen und sehr einfühlsam auf die RP eingehen, um sie vom selbständigen Herabklettern zu überzeugen. Eine RP mit Panik kann nicht ohne weiteres gerettet werden.
  • Ist die RP bei Bewusstsein, ist es ratsam, sie in alle Abläufe einzubinden.
  • Bei viel Wind kann es sinnvoll sein, sich mit Handfunkgeräten zu verständigen.
  • Auch bei Alarmierung der Seenotrettung für externe Hilfe bringt die Rettung durch uns eine erhebliche Zeitersparnis.

Die Rettung erfolgt mit Hilfe des Jolltaus. An diesem wird die RP gemeinsam mit einem Retter abgefiert.

Möglicher Ablauf der Rettung aus dem Rigg
  1. 1 Ablauf besprechen und Positionen verteilen; das Jolltau wird vorbereitet.
  2. 2 Der Retter nimmt zusätzlich zum Standard-Geschirr eine kurze Bandschlinge mit zwei Karabinern (Expresse) an sich.
  3. 3 Der Retter befestigt das Jolltau an seiner eigenen Abseilöse und steigt zur RP auf (oder lässt sich das Jolltau oben anreichen); beim Aufstieg bleibt er über sein ASAP-Gerät mit dem Sicherungsseil verbunden, zusätzlich sichert er sich über die Kurzsicherung am Standplatz.
  4. 4 Der Retter verbindet sich über seine zweite Kurzsicherung von der eigenen Abseilöse zur Auffangöse der RP; zusätzlich wird die RP über eine Expresse vom Jolltau in die Auffangöse gesichert.
  5. 5 Das Jolltau wird auf Kommando vorsichtig geholt, bis der Retter die Verbindung der RP zu den Wanten lösen kann; das ASAP Lock der RP wird ausgehängt und der Retter löst auch seine eigene Standplatzsicherung.
  6. 6 Der Retter positioniert die RP vor sich (Gesicht zueinander), so dass er sie mit den Beinen umschließen kann, und hängt dabei automatisch etwas höher als die RP.
  7. 7 Unter Kommando des Retters wird das Jolltau gefiert; der Retter führt die RP an den Wanten vorbei und schützt Kopf und Körper, die RP bleibt möglichst passiv.
  8. 8 An Deck angekommen wird die RP an weitere Helfer übergeben; das weitere Vorgehen wird ihrem Zustand angepasst.